
In letzter Zeit häufen sich die Anfragen in unserem Mail-Account, mit welcher Kamera wir unsere Fotos machen. Dabei wird augenscheinlich völlig vergessen, was die Fotografie wirklich ausmacht; nämlich Licht. Klar, es gibt Modelle, die bieten hier Möglichkeiten, schwaches Licht zu kompensieren. Bei anderen Modellen lassen sich austauschbare Objektive anbringen. Teure und gute Modelle können beides.
Wenn man sich mal unsere Bilder von der ersten Stunde bis hin zum heutigen Tage anschaut, dann kann man deutlich eine Lernkurve erkennen; Die Bilder sind schärfer, die Farben satter, die Helligkeit gleichmäßig. Mit diesem Beitrag möchten wir unsere Erfahrung teilen. Sicherlich können wir den Anspruch auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit nicht gewährleisten, da wir uns vieles durch “Learning-By-Doing” angeeignet haben. Aber man lernt ja nie aus; wem etwas aufällt, der kann es gerne in netter Form unten kommentieren.

Okay, der erste Absatz ist für die ganz Eiligen und Technik-Freaks, die alles selbst ausprobieren möchten; Wir haben eine Nikon D300 mit einem Nikkor-Objektiv (17-55mm, F1:2.8). Dazu noch ein Kamerastativ, zwei Blitzgeräte (SB-900 und SB-600), ein Lampenstativ, ein Lichtreflektor sowie diverses Zubehör und weitere Objektive.
Nun, der zweite Absatz ff. ist für die, die noch nicht im Fotoladen vor den Regalen stehen: Das braucht man eigentlich alles nicht. Die Kamera ist letztendlich egal. Wenn die Lichtverhältnisse stimmen, reicht eine ganz normale Kamera. Wenn die Lichtverhältnisse ungünstig sind, benötigt man eine zusätzliche Lichtquelle und keine teurere Kamera und/oder Blitzgeräte. Hier reicht i.d.R. eine Schreibtischlampe mit einer etwas stärkeren Glühbirne oder bei gutem Wetter ein Fenster an der Sonnenseite.
Um die Wirkung der Lichtquelle auf unser Bild etwas besser zu verstehen, stellen wir uns die Sonne als unsere Lichtquelle vor. Wir stellen uns nun in den Sonneschein und betrachten unseren Schatten. Dieser ist scharf gezeichnet und klar definiert. In der Fotografie nennt man diesen Schatten, einen harten Schatten. Nun schieben wir gedanklich Wolken vor die Sonne und beobachten zugleich die Veränderung des Schatten. Er ist nun kaum erkennbar, die Konturen laufen auseinander. Es ist nur schwer erkennbar, wo er anfängt und wo er aufhört. Man spricht hier auch gerne von hartem und weichem Licht.
Hier ein Beispiel, welches das Prinzip verdeutlicht:

Wie man hier schön sehen kann, wirft die Tomate links einen harten und dunklen Schatten. Zudem sind Spitzlichter zu erkennen. Das Rot der Tomate ist knallig. Die Farbsättigung ist insgesamt zu aggressiv wirkt dadurch unwirklich und weniger appetitlich. Es löst Gedanken in uns aus wie etwa “Vorsicht, ich bin giftig”.
Die Tomate in der Mitte hingegen wirft einen weichen Schatten. Man kann nicht wirklich entscheiden, welcher Teil des Bildes im Schatten liegt und welcher nicht. Die Farbe wiederum ist zwar satt, aber nicht mehr knallrot. Sie wirkt zwar schon deutlicher natürlicher, jedoch suggeriert der dann doch erkennbare Schatten etwas “düsteres” ja irgendwie leicht verdorben.
Bei der Tomate rechts ist der Schatten noch schwerer zu erkennen. Die Farbe hier wirkt gleichmäßiger. Die Tomate steht nur für Frische. Ein gesunde rote Tomate, voll mit Vitaminen. Dieses Bild wäre unser Favorit. Dennoch hat es den Perfektionsgrad noch nicht vollständig erreicht. Der Hintergrund ist noch zu Grau und nicht nahtlos Weiß. Um dies zu erreichen und zu gleich die Farbsättigung nicht zu verändern sind wir auf weitere Lichtquellen hinter oder neben der Tomate angewiesen. Aber das erklären wir vielleicht ein anderes Mal.
Das linke Bild kann im direkten Sonnenlicht, vor einem Aufsteck- oder Kamerablitz oder unter einer hellen – eher grellen – Deckenleuchte fotografiert worden sein. Um nun das rechte Bild zu fotografieren, schiebt man entweder Wolken vor die Sonne, oder hängt ein Tuch vor dem Blitz oder Deckenleuchte. Da wir grundsätzlich Wolken nicht nach Belieben hin und her schieben können – Gott sei dank – liegt die Wahl wohl besser auf dem Tuch. Das Tuch hat hierbei eine wesentliche Funktion – genau wie die Wolken, aber vergessen wir die. Es soll das Licht streuen. Das heißt eigentlich nur, dass wir unsere Lichtquelle vergrößern und somit “versteckte” Bereiche des Objekts nun Licht bekommen – Das Bild bzw. dunkle Bereiche des Bildes sind besser ausgeleuchtet.
Also, fassen wir zusammen: Kleine Lichtquellen erzeugen harte Schatten, große Lichtquellen hingegen, weiche Schatten. Obwohl die Sonne mehrere Millionen Grad heiß ist, ist sie im Bereich der Fotografie eher als kleine Lichtquelle zu betrachten. Würden wir sie nah genug an uns heranziehen, würden die Schatten weicher werden. Im Prinzip reicht eine leistungsstarke Glühbirne (ca. 100 Watt) aus. Doch moment! Die Glühbirne ist doch im Verhältnis zum angerichteten Teller eher klein. Richtig. Daher kann man z.B. einen milchig, transparenten Stoff oder Glas davor befestigen und die Lichtquelle wird durch die Streuung des Lichtes größer.
Wer jetzt jedoch bereits ein externes Blitzgerät hat, der kann den Blitzkopf gegen eine Wand oder die Decke richten. Hierbei dient die Wand als Reflektor, was ebenfalls die Streuung des Lichtes zur Folge hat. Das ist der Trick. Ein ziemlich gutes Buch zu diesem Thema ist “Light – Science & Magic“. Unsere Bilder wurden nach Studium des Buches deutlich besser.
Nun zu der letzten, spannenden Frage, die dem einen oder anderen vermutlich seit dem dritten Absatz auf der Zunge brennt: Warum haben wir nun die dicke Kamera, das teure Objektiv und den ganzen Schnickschnack, wenn es doch angeblich so einfach ist? Ganz einfach: Weil es so noch einfacher ist!

So sieht das “Set” bei uns aus. Auf dem Stativ ist das Blitzgerät montiert, davor ein lichtdurchlässiger Reflektorschirm. Mit diesem Aufbau haben wir viele verschiedene Möglichkeiten das Licht zu steuern. Die Intensität durch die regelbare Blitzleistung, die Größe und Streuleistung durch den Abstand des Schirm zum Blitz oder zum Objekt, somit auch gleich ob es hartes oder weiches Licht gibt. Man könnte hier noch beliebig mit weiteren Reflektoren und/oder Diffusoren neben dem Objekt hantieren, z.B. in Form von weißem Karton oder Pergamentpapier. So können die ohnehin schon weichen Schatten hinter dem Objekt noch weicher gemacht werden.
Dieses Bild ist aus dem oben genannten Set-Aufbau entstanden.

Zum Schluss noch drei Tipps und Tricks, die wir gerade versuchen zu verinnerlichen…
1 Wir haben schon selbst mal schmerzlich festgestellt, dass ein Gulasch zwar lecker, aber appetitlich schwer zu fotografieren ist. Hierbei spielen Farben eine große Rolle. Einfarbige Gerichte sollten durch Komplementärfarben “aufgepeppt” werden.
2 Die Komposition der einzelnen Elemente auf dem Teller spielen eine weitere große Rolle. Dieses Bild mag technisch zwar gut ausgeleuchtet sein, aber steckt der Teufel im Detail: Die Sehne ist unappetitlich, der Rosmarienzweig zerfallen und alles andere als frisch und der Bildanschnitt liegt in der Bildmitte. Der Knoblauch kann ganz weg.
3 Abwechslung sollte zur Routine werden. Die Hinter- und Untergründe müssen variieren. Nicht immer aus den gleichen Winkeln. Wie Hobbyköche und Kochblogger haben ein reiches Sammelsurium an diversen Accessoires, Decken Tischsets und Bestecken, die eigentlich nur für das Shooting, das Tageslicht erblicken. Wir stehen hier auch noch eher am Anfang.
4 Als Reflektoren oder “Lichtschlucker” eignen sich Prima mit weißem oder schwarzem Bastelkarton beklebte Styroporplatten. Auch kann man aus diesen Platten einen Fensterrahmen schneiden und mittels vorgeklebten Backpapier einen prima Diffusor (wie die Wolken) basteln.
5 Übung macht den Meister. Auch wenn wir Einstiegs erwähnten, dass man keine Profi-Ausrüstung braucht, so lasst euch nicht davon abhalten sie eventuell doch zu kaufen. Tut das was Ihr für richtig hält.
Und noch ein Paar handverlesene Links zum Thema Food-Fotografie…
- Food Photography for Bloggers
- Food Photography Tips
- Food Photography Techniques and Tips
- Lighting 101
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6 Kommentare
Sehr nützlicher Beitrag! Solche Tipps lese ich wirklich gerne!
Ich finde es immer sehr interessant, mal einen Blick auf’s Making-of werfen zu dürfen. Danke!
@Petra: Danke ebenso, wir geben uns Mühe!
@Nata: Danke, für deinen Kommentar, mit du uns um ein Blog in unserer täglichen Feed-Liste bereichert hast ;-)
ich habs mittlerweile aufgegeben, soviel Material, Aufwand und Zeit in ein Foto zu stecken. Trotzdem bin ich dankbar für Tipps, oft kriegt man durch ganz einfache tricks eine deutliche Bildverbesserung hin.
Jepp, Blende auf, ISO hoch. Und/Oder ans Fenster stellen. Oder hast du sonst noch Tipps?
Wow ihr habt euch ganz schön entwickelt. Ich war schon lange nicht mehr hier…
Gruß Steven
Ein Trackback
[...] oder nicht? Habt ihr vielleicht ein paar Tipps?? Ich hab grad einen interessanten Artikel entdeckt: Wie wir unser essen fotografieren …ich glaub da müssen wir einiges [...]