Die goldenen Regeln für schlechtes Grillen

Sobald die Temperaturen außerhalb der eigenen vier Wände die 20-Grad-Celsius-Marke knacken, mutiert der Grill wieder zu dem Deutschen sein liebstes Sportgerät. Keine Frage, es ist ja auch super toll; Die Sonne scheint, die Getränke sind kühl gelagert, alles ist grün und fängt an zu blühen, man sitzt im Garten, die Kinder sind beschäftigt, der Hund schläft und der Mann feuert den Grill an. Die unterschiedlichsten Aromen, die sich beim Grillen entfalten, senden eine klare, unmissverständliche Botschaft: „Es ist Zeit zum Schlemmen“. Und da man „eigentlich“ kein Fett benötigt – so hießt es dem Volksmund nach – gilt es als eine gesunde Art der Zubereitung.

Doch wo Licht, dort ist auch Schatten. Immer wieder verlauten die Medien, grillen sei ungesund, wegen den schädlichen Stoffen, die durch das herabtropfende Öl entstehen. Auch wird immer häufiger über Unfälle in der Tageszeitung durch Explosionen am Grill berichtet. So weit schon schlimm genung, doch hinzu kommt noch, dass der Grillgenuss verstärkt durch die Ausübung als Proletensport getrübt ist. Ja ja, da kommt schon ein unangenehmer Beigeschmack durch und dieser stammt sicherlich nicht vom verbrannten Fett.

Aber zum Glück gibt es ja Regeln, die es einem ermöglichen – sofern man regelkonform durch’s Leben geht – alles richtig zu machen. Neulich haben wir nach Regeln gesucht, jedoch keine wirklich authentischen und glaubhaften gefunden. Und da wir nicht den Anspruch erheben möchten, selbst authentische Grillregeln aufzustellen, haben wir „Goldene Regeln für schlechtes Grillen“ zusammengestellt. Wer sich dran hält, bekommt eine Extraportion des üblen Beigeschmacks.

Die goldenen Regeln für schlechtes Grillen

1 Kauft nur das günstigste oder das teuerste Fleisch. Am besten eignen sich hierfür Discounter, die ihr Fleischangebot verramschen oder Online-Plattformen, auf denen Fleisch im 3-stelligen Bereich verkauft wird. Kommt niemals auf die Idee, erstklassiges und zudem preiswertes Fleisch von eurem Metzger zu holen, der seine Ware von regionalen Betrieben kauft.

2 Richtige Männer essen richtiges Fleisch. Auf den Grill kommt nur Bauchspeck, Nackensteaks und Entrecotes. Proteinhaltiges Fleisch wie Huhn oder Fisch ist nichts für wahre Männer. Die sportliche Figur und der Six-Pack am Bauch kommen ausschließlich durch hartes Training im Fitnessstudio. Eiweiße steigen nur den Cholesterinspiegel. Fett hat damit NICHTS zu tun.

3 Generell ist eine ausgewogene Ernährung beim Grillen Tabu. Die Variationen sind so klein wie nur möglich zu halten. Am besten einigen sich alle Grillteilnehmer auf eine Sorte Fleisch.

4 Gemüse, Obst, Brot und mageres Fleisch haben auf dem Grill nichts zu suchen. Die Neandertaler haben sich früher schließlich auch nur von Fleisch ernährt. Das ist nunmal ein Naturgesetz und macht den Menschen somit nicht zu einem Beilagenesser. Wiederholt diese Aussage am Grillabend mehrmals in Anwesenheit eurer Gäste. Unterstreicht diese Aussage mit einem anschließenden kräftigen „Rülps“ und „Furz“. Zeigt aus was für einem Holz ihr geschnitzt seid.

5 Sollte jemand widererwarten Regel 4 missachten, lacht ihn aus, macht ihn vor Allen lächerlich und nennt sein Grillgut „Mädchenfleisch“. Seit auf keinen Fall Tolerant. Am besten ist es, wenn ihr laut werdet, rumbrüllt und euch aggressiv zeigt, wenn jemand etwas „vom anderen Ufer“ auf den Grill legt.

6 Bereitet eure Marinaden niemals selber zu. Kauft stets Fertigmischungen und ertränkt das Fleisch 24 – 48 Stunden vor dem Grillen darin, damit der fleischeigene Geschmack vollständig überdeckt wird. Alles unter einer Stunde ist Tabu!

7 Holt das Fleisch ein bis zwei Stunden vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank. Ja, richtig! Auch im Sommer, wenn höchste Temperaturen herrschen. Ihr spart Unmengen an Zeit, da eurer 350°C heißer Grill niemals in der Lage ist, den Temperaturunterschied binnen weniger Minuten auszugleichen.

8 Die Marinade bleibt da wo sie ist und wo sie auch hingehört: am Fleisch! Und da bleibt sie solange bis sie samt Fleisch auf den Grill landet und dort für den typischen Grillgeschmack sorgt, da das abtropfende Öl auf den heißen Kohlen und dort verbrennt.

9 Der Grillrost und die Kohle sollten so heiß wie möglich sein. Geht verschwenderisch mit der Kohle um. Jeder Quadratzentimeter des Grills sollte mit glühend heißer Kohle bedeckt sein. Sollte die Kohle nicht bereits nach 5 Minuten durchgeglüht sein, kippt ordentlich Brennspiritus drauf oder holt euch einen Fön. Sorgt für richtig Stress und zeigt wer der Boss in eurem Garten ist.

10 Natürlich solltet ihr den besten und teuersten Grill besitzen. Die Fünf-Euro-Teile aus dem Supermarkt taugen gar nichts. Im wilden Westen hat man schließlich auch diese teuren Grill-Lokomotiven gehabt. Zudem machen billige Grills überhaupt keinen Eindruck auf die anwesenden Gäste. Selbstverständlich wollt ihr zeigen was ihr habt.

11 Grillt nur und ausschließlich auf Holzkohle. Verweigert grundsätzlich jede andere Form des Grillens. Egal ob indirekt Grillen, Gas, Elektro, Backofen oder Pfanne sind keine geeigneten Grillmethoden.

12 Legt auf den heißen Grillrost über die heißeste Stelle das Fleisch, damit die vielen Poren des Fleisches sich schließen. Das ist sehr wichtig, damit weniger Fleischsaft aus dem Fleisch tritt. Hierdurch setzt ihr physikalische Kräfte ausser Kraft.

13 Zum Wenden des Fleisches dürft ihr nie und nimmer mit einer Gabel ins Fleisch stechen. Ihr bohrt damit ein Schlupfloch für die Flüssigkeit ins Fleisch! Schreit jeden, der das Fleisch mit einer Fleischgabel zerlöchert, hysterisch in Grund und Boden.

14 Bevorzugt das ständige Begießen mit Bier oder Einpinseln mit Marinade – am besten direkt über der Glut um den „Grilleffekt“ und mehr „Grillgeschmack“ noch zu verstärken. Verschwendet hierbei keinen Gedanken an die umstehenden Gäste oder Nachbarn, die den Rauch einatmen. Schließlich sind wir alle doch Passiv-Raucher, wenn stört da schon, dass wir an einem solchen Grillabend den Rauch von rund 600 Zigaretten einatmen.

15 Wenn Flammen aufschlagen, einfach wieder Regel 14 anwenden. Sollte die Kohle dadurch erlischen, dann werft einfach noch ein, zwei Grillanzünder in die Kohle oder kippt ordentlich Grillspiritus nach. Der Explosionsgefahr entgeht man, in dem man einfach zwei Schritte zurück tritt. Einen Deckel zum Ersticken der Flammen braucht ihr nicht, das ist sowieso Schwachsinn.

16 Grillt immer über offenem Feuer und niemals indirekt. Das dauert zu lange und ist generell viel zu schwer. Außerdem schlagen die Kohlen dabei keine schönen Flammen, die das Fleisch mit garen und für die schöne schwarze Kruste sorgen.

17 Und zu guter Letzt: Hört nicht auf andere. Ihr seid der Boss! Ende.

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Andreas

Andreas kocht liebend gerne und liebt es, gut zu essen. Vor vielen Jahren hat er das Kochen für sich entdeckt und in der Zeit viel versalzen, viel verkocht oder sonstwie ungenießbar serviert. Aber immer dazugelernt, so dass er heute zumindest kein schlechter Koch ist.

12 thoughts on “Die goldenen Regeln für schlechtes Grillen

  1. Insbesondere Grillanzünder auf Petroleum/Wachs-Basis sind zu empfehlen. Nur die bringen den richtigen Texas-Geschmack ins Fleisch.

  2. Sehr schön, das musste mal gebloggt werden. Fehlt nur noch das Rudel von kohlestochernden Kerlen vor dem Grill. Da müssen immer welche stehen die ewig die Kohle hin und her bewegen, damit möglichst viel davon keine Chance zum Durchglühen hat.

  3. @lamiacucina: Richtig, am besten gleich mehrere davon – nur um ganz sicher zu gehen.
    @nata: HAHA, ja herrliches Bild!

  4. Sehr schön, das muss man eigentlich ausdrucken, einrahmen und in sämtlichen Kleingartenvereinen aushängen (nicht, dass ich dahingehend Vorurteile hätte…;o))

    Meine Lieblingsregel ist übrigens die Nr. 17

  5. *lach* So sah der Grill bei unserer letzten Grill-Session für kurze Zeit auch aus und zwar in dem Moment, als jemand seine Aldi-Steaks drauf gelegt hatte. Die könnte man also noch in der Rubrik „Grillanzünder“ unterbringen ;-).

  6. Das treibt einem wirklich ein Schmunzeln ins Gesicht. Sehr schön geschrieben und auch kein Klischee ausgelassen.

  7. Leider,leider hat mein Mann die teuren Steaks letzte Woche so verhunzt :-( hätte ich nur Aldi Würstchen gekauft.

  8. @kochbasics: Das kann ich verstehen und wiederum auch nicht; Steaks zu grillen ist gar nicht so schwer, wenn man weiß wie es richtig geht. Wichtig ist, das man dicke Steaks (größer als 2,5 cm) in zwei Zonen gart (zuerst direkt und dann indirekt) und das der Grill die richtige Temperatur hat. Als Richtwert zur Temperatur kann die Handprobe herangezogen werden. Wenn man die Hand 3 – 4 Sekunden über die heiße Kohle mit 20 cm Abstand halten kann, dann ist sie passend. Anschließend die Steaks pro Seite direkt 2 – 3 Minuten grillen und dann 5 Minuten indirekt. Alles mit geschlossenem Deckel versteht sich… Ich bin mir sicher, dass es so funktioniert – auch wenn nicht beim ersten Mal perfekt, aber gerade beim Grillen spielen Erfahrungswerte eine große Rolle.

  9. Sehr schön. Ich befürchte nur, dass es bei Vielen tatsächlich so oder so ähnlich zugeht.
    Es ist nicht so einfach dem starken Geschlecht das sanfte indirekte Grillen nahezubringen, aber ich arbeite dran. Sehr schön lernt man es an großen Fleischstücken und ganzen Vögeln. Wer da mit brutale Hitze rangeht, der kann sich an die Beilagen halten, da es dann kein Fleisch gibt.

  10. @Birgit: Viel Erfolg! Einfach beim nächsten Grillabend das Zepter in die Hand nehmen und ein paar dicke, saftige T-Bone-Steaks zaubern. ;-)

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