Kochkurs: Das Bierdosen-Hähnchen-Experiment

Bierdosen-Hähnchen
Das war ein grandios gelungener erster Versuch. Zwar gab es ein paar Abzüge in der B-Note, aber insgesamt erzielten wir ein erstklassiges Ergebnis. Kurzum können wir sagen, das war das beste Brathähnchen, was wir seit langem gegessen haben. Das Fleisch bleibt durch das indirekte Garen bei niedriger Temperatur (150 – 170°C) ziemlich zart und saftig. Da wir uns für ein „echtes“ Barbecue entschieden hatten, bekam das Fleisch eine rauchige Note. Dazu gab es Cajun-Kartoffelspalten und Krautsalat – besser hätte hier vielleicht eine echte amerikanisch Cole Saw gepasst, aber die Zubereitung mit Mayonaisse war uns bei den Temperaturen nicht ganz geheuer…

Vorbereitung und Überlegungen

1) Der Hahn: Der Hahn sollte nicht zu groß, aber auch nicht zu klein geraten sein – ein Gewicht von ca. 2 kg ist gut. In jedem Fall sollte er auf eine 0,5-Liter-Bierdose passen, die auch sein Gewicht lange halten kann. Bei größeren Hähnchen muss man evtl. die Beine als als Stütze arrangieren.

2) Die Bierdose: In den Zeiten von Dosenpfand und dem dualen System scheint es schwierig zu sein, Bierdose in Supermärkten zu erwerben. Jedoch finden sich schon seit längerem wieder Dosen in den Regalen wieder – wenn auch überwiegend 0,5 l-Größen. Spezialisierte Getränkefachmärkte bieten auch noch 0,33 oder 1,0 l-Dosen an. Die richtige Größe sollte sich jedoch an die Größe und das Gewicht des Gockels richten. Für ein sehr kleines Hähnchen reicht i.d.R. eine 0,33-Liter-Dose, wobei man für einen Truthahn eher die 1,0-Liter-Varianten auswählen sollte.

3) Die Grillkohle: Zu empfehlen beim indirekten Grillen ist echte Holzkohle – keine Briketts. Briketts haben meist mehr schädliche Inhaltsstoffe als Cola. Durch diese Stoffe bekommen wir beim Barbecue einen richtig widerwärtigen Tankstellengeruch. Holzkohle aus Hartholz brennt zwar schneller, weniger heiß und ungleichmäßiger, aber diese Höhen und Tiefen in der Temperatur benötigt man beim richtigen Barbecue (via Low & Slow).

4) Die Gewürzmischung: Die Faustregel lautet: Wähle die, die du am liebsten magst. Das Hähnchen sollte 2 – 4 Stunden vorher damit innen und außen eingerieben werden.

5) Der Grill: Der Grill muss genügend groß sein und einen Deckel haben, sonst ist die indirekte Grillmethode schlicht und einfach nicht möglich. Der Weber-One-Touch-Gold mit einem Durchmesser von 47 cm war für unser Hähnchen gerade groß genug. Der Grill wird für die indirekte Grillmethode vorbereitet; pro Seite benötigt man ca. 2 – 3 Hände voll Holzkohle.

6) Die Temperatur: Diese sollte zu Beginn nicht mehr als 170°C betragen. Im Bereich von 120° – 135° wäre es ideal, aber gerade zu Anfang schwer zu erreichen. Im Verlauf kann und sollte die Temperatur also sinken. Alles bis 120°C ist in ordnung. Die Temperatur regelt man gut durch verschließbare Lüftungsschlitze am Grill.

7) Die Gardauer: Je nach dem wie hoch die Temperatur und je nach Größe des Hähnchen, desto länger oder kürzer die Gardauer. Die Kerntemperatur sollte bei mindestens 75°C liegen. Ein Bratenthermometer ist hier dringend zu empfehlen. Für den gesamten Garprozess sollten 2 Stunden eingeplant werden.

Zutaten
für 2 Personen

  • 1 mittleres Hähnchen (ca. 2 Kg)
  • 4 EL Gewürzmischung
  • 1 0,5-L-Dose Bier
  • 1 Bund frischer Kräuter (Thymian, Rosmarin, Oregano, etc.)
  • 3 Knoblauchzehen
  • 2 EL Olivenöl

1 Das Hähnchen von allen Seiten – auch innen – ordentlich mit der Gewürzmischung einreiben. Fest in Frischhaltefolie wickeln und für 2 – 4 Stunden in den Kühlschrank legen.

2 In der Zwischenzeit können die Beilagen vorbereitet werden; z.B. Kartoffeln vorkochen, Salat zubereiten, etc.

3 Den Grill für das indirekte Grillen vorbereiten und die Grillkohle anzünden. Den Hahn aus dem Kühlsschrank nehmen und bei Zimmertemperatur stehen lassen.

4 Die Bierdosen bis zur Hälfte leeren. Die Kräuter und Knoblauchzehen in des Hähnchen stecken und den Hahn auf die Bierdose stülpen.

5 Wenn die Grillkohle durchgeglüht ist, den Grill verschließen und nach 10 Minuten die Temperatur kontrollieren und ggf. auf 150 – 170°C regulieren. Den Hahn samt Bierdose in die Mitte auf den Kohlerost stellen und den Deckel verschließen. Wer mag kann Räucherchips oder Holzscheite auf die heißen Kohlen für ein Raucharoma legen.

6 Die Temperatur des Grills alle 30 Minuten kontrollieren, bei zu starkem Temperaturabfall Grillkohle nachlegen (eine handvoll pro Seite). Bei uns war das nicht nötig. In 1 1/2 Stunden sank die Temperatur von 170°C auf 140°C – danach war der Hahn durchgegart.

7 Sobald die Kerntemperatur an der dicksten Stelle 75 – 80°C erreicht hat, den Hahn vom Grill nehmen, von der Dose befreien und für ca. 10 Minuten in Alufolie eingewickelt ruhen lassen. Anschließend den Hahn halbieren und servieren.

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Andreas

Andreas kocht liebend gerne und liebt es, gut zu essen. Vor vielen Jahren hat er das Kochen für sich entdeckt und in der Zeit viel versalzen, viel verkocht oder sonstwie ungenießbar serviert. Aber immer dazugelernt, so dass er heute zumindest kein schlechter Koch ist.

11 thoughts on “Kochkurs: Das Bierdosen-Hähnchen-Experiment

  1. Kochen ist ein langjähriges Hobby von mir. Jetzt möchte ich gerne wissen: Haut Euch das Angebot auf http://www.kochshop.com nicht um? Hey, ich habe meine Bratenmesser genau von dort.

  2. Na ja, mal abgesehen davon, dass dein Kommentar nur im entferntesten Sinne etwas mit diesem Artikel zu tun hat, haut mich das Angebot gar nicht um. Nichts war ich bei Karstadt nicht auch bekomme…

  3. Bevor ich jetzt was zu diesem Hähnchen schreibe, muss ich euch erstmal mitteilen, dass ihr Schuld seid! Jawoll. Nur wegen eures Artikels zum Grillen und zum richtigen Barbecue, ist mein Wunsch nach eine Kugelgrill nicht mehr wegzudenken gewesen. Es hat zwar noch ein wenig gedauert, aber gestern ist das Weber-Rundum-Sorglospaket inklusive Grillbibel bei mir eingetroffen.
    Dieses Rezept mit dem auf der Bierdose hockenden Hühnchen kenne ich aus einem Kochforum und fand es wegen der Optik immer etwas seltsam. Aber das werde ich in jedem Fall noch in dieser Saison in der Kugel ausprobieren.

  4. HAHA! Ich glaub‘ wir haben schon ein halbes Dutzend Bekannte, Freunde und Arbeitskollegen mit dem Weber-Kugelgrill angefixt. Aber niemand wie niemals mehr einen anderen Grill. Ich war dem Beer-Can-Chicken auch sehr spektische gegenüber und hatte da eigentlich nie Bock drauf, aber ich hab‘ es dann doch Tine zur Liebe gemacht und bin total begeistert!

  5. Tolle Idee. Hab Brathähnchen in der Form noch nicht gesehen. Auch das man einen Grill als Backofen verwendet war mir neu. Ich werde das mal im Backofen versuchen. Hast du mal drüber nachgedacht ein bischen Bier in der Dose zu lassen? Für mehr Saft…

  6. Klasse! Endlich mal eine gut dokumetierte Zubereitung des ominösen Bierdosen-Hühnchens – und aus verlässlicher Quelle! Danke, jetzt probier ich das auch mal aus.

  7. @catering berlin: Die Dose ist nur zur Hälfte geleert.

    @Herr Paulsen: Bitte, es war uns ein Vergnügen. Viel Erfolg beim Do-It-Yourself-Beer-Can-Chicken :-D

  8. Klasse! Endlich mal eine gut dokumetierte Zubereitung des ominösen Bierdosen-Hühnchens – und aus verlässlicher Quelle! Danke, jetzt probier ich das auch mal aus.

  9. Das mit der Holzkohle vs. Briketts ist natürlich völliger Käse… Low and Slow vielleicht noch mal googlen?

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