Kaffee 2.0 – Wie ich meinen Kaffee trinke

Kaffee 2.0 - Wie ich meinen Kaffee trinke
Kaffee 2.0 – Wie ich meinen Kaffee trinke

Kaffee – vor Jahren noch war ich kein Freund von ihm. Im Latte Macchiato schon. Ohne geht ja nicht. Dann bekamen wir irgendwann eine Padmaschine geschenkt und die wurde erst mit Espressokapseln, später mit Kaffeekapseln recht regelmäßig genutzt. Nebenbei ein klassischer Espressokocher, auch wenn der eigentlich gar keinen wirklichen Espresso macht. Und so stieg auch der Kaffeekonsum. Der aus den Kapseln ist gut trinkbar. Im Gegensatz zu abgestandenen Plörren aus der 90er-Jahre-Filtermaschine. Aber vor ein paar Monaten hat bei mir ein Umdenken stattgefunden und ich bereite meinen Kaffee (der mir mittlerweile sehr gut schmeckt) und meinen Espresso mittlerweile gänzlich anders zu.

Was hat mich eigentlich zum Umdenken bewegt? Nun, das liegt auf der Hand. Zum ersten ist das der Preis. Der ist absurd. Zehn Kapseln kosten bei Tchibo 2,49 €, die Premium-Kaffees 2,99 €. Die Tasse Kaffee/Espresso kostet also für den Hausgebrauch satte 24 bzw. 29 Cent. Klingt nicht viel. Bei drei Kapseln am Tag sind es im Vergleich zu frisch selbstgebrühtem Kaffee-/Espressopulver aber ordentliche Mehrkosten.

Und auf der zweiten Seite steht der Müll, den die Kapseln hinterlassen. Die bestehen in der Regel aus Aluminium und auch Plastik ist mit drin. 10 Kapseln lassen gefühlt soviel Müll zurück wie drei 500 g-Packungen Kaffee.

Wie sehen also die Alternativen aus, wenn es auch eine klassische Filtermaschine nicht sein soll? Vollautomaten boomen seit ein paar Jahren. Die sind mir aber viel zu riesig und viel zu teuer. Eine Espressomaschine mit Siebträger wäre eine gute Alternative, die mir allerdings zu beschränkt einsetzbar ist und wieder zu viel Platz wegnimmt.

Genießen statt Herunterwürgen

Überhaupt! Kommt es nur mir so vor, als dass das Thema Kaffee in letzter Zeit hochkocht? Kaffeeblogs wie kaffee-freun.de florieren und werden immer mehr. Weg vom jahrelangen gleichen Kaffee, der im Supermarkt in Massen gekauft wird, wenn es ihn 50 Cent günstiger gibt, hin zum Genuss. Kaffeetrinken geschieht nicht mehr (nur) nebenbei, sondern wird mehr und mehr zelebriert. Sogar den Tassen kommt mehr und mehr Bedeutung zu und wird schon fast zur Wissenschaft erhoben (siehe „Der Barista Code“). Kaffeegenuss ist auch im Mainstream angekommen.

Filterkaffee der schmeckt

Aber zurück zum Ausgangsthema. Wie bereite ich meinen morgendlichen Kaffee denn nun zu? Ganz einfach: Handgefiltert! In der Welt vor zwei Jahren schon als Trend entdeckt, hat es vor ein paar Monaten mit dem Rausschmiss der Kapselmaschine auch bei mir Einzug gehalten. In Form der Chemex Karaffe, die es mit ihrem zeitlosen Design sogar ins Moma in New York geschafft hat. Oben kommt ein Filter rein (natürlich werden die recht teuren für die Chemex entwickelten Kaffeefilter empfohlen, die wesentlich dicker als normale sind und so versprechen, weniger Öle und Fette durchzulassen) und mit (nicht mehr kochendem) Wasser aus dem Wasserkocher aufgebrüht. So werden weit weniger Bitterstoffe gelöst als bei anderen Methoden. Und der Kaffee schmeckt!

Die Kamira Espressomaschine

Mein persönliches Highlight ist aber mein nachmittäglicher Espresso geworden. Ich habe mir als Geburtstagsgeschenk an mich selbst (das sind eh die besten) aus Sizilien die kleine und handliche Kamira Espressomaschine* bestellt. Von der hatte ich vorher schon gelesen und sie irgendwann zu Jahresbeginn auch in Aktion erlebt. Und ich war begeistert von der Crema bzw. dem (trifft eher zu) dicken Schaum, den die Kamira produziert. Die Maschine, die etwas futuristisch aussieht, wärmt das Wasser im unteren Kessel auf dem Herd extrem schnell auf. Bis das Wasser aber auf das Espressopulver trifft, ist es nicht mehr zu heiß, so dass Bitterstoffe keine Chance haben, in der Tasse zu landen. Ich würde allerdings das Vorwärmen der Espressotasse empfehlen. Der cremig schaumige Espresso jedenfalls ist dafür, dass er nicht aus einer riesigen Maschine kommt, eine wahre Offenbarung. In der Praxis sieht das übrigens so aus.

(Vor einem knappen Jahr gab es in der taz übrigens eine äußerst hitzig geführte Debatte, nachdem man einen die Kamira lobpreisenden Artikel wieder entfernen musste und eine „Richtigstellung“ veröffentlichte, dass der Espresso doch nichts taugt. Oder fällt das Fazit nur so schlecht aus, weil man es sich mit dem Gegen-Alles-Leser nicht verscherzen will? Es wird im Dunkeln bleiben…)

Fazit

Wenn man jahrelang immer nur Kaffee vorgesetzt bekommt, der vorher schon Ewigkeiten auf der Herdplatte abgekühlt und wieder aufgewärmt wurde und ohne Aromen, sondern stattdessen mit ganz viel Bitterkeit daherkommt, wundert es nicht, dass ich jahrelang kein Kaffeejunkie war. Im Moment ändert sich das. Und zumindest als Espressojunkie gehe ich so langsam wohl durch. Und das Dank alternativer Methoden, die dem Kaffee auch die Chance geben, sein Aroma zu entfalten.

Und ihr?

Mich würde interessieren, worauf ihr beim Kaffee oder beim Espresso setzt? Hat jemand vielleicht auch schonmal die Kamira ausprobiert oder hat sonst alternative Brühmethoden? Ich freue mich über Hinweise, was es sonst noch alles zu entdecken gibt.

*Seit vergangenem Jahr wird die Kamira auch in Deutschland direkt vertrieben, was die Versandkosten deutlich reduziert: espressokamira.de

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Andreas

Andreas kocht liebend gerne und liebt es, gut zu essen. Vor vielen Jahren hat er das Kochen für sich entdeckt und in der Zeit viel versalzen, viel verkocht oder sonstwie ungenießbar serviert. Aber immer dazugelernt, so dass er heute zumindest kein schlechter Koch ist.

9 thoughts on “Kaffee 2.0 – Wie ich meinen Kaffee trinke

  1. Hi,
    also ich stehe momentan komplett auf den Lungo von Dolce Gusto.
    Du hast zwar recht, dass das mit den Kapselüberbleibseln so eine Sache ist, aber da ich eh nur einen am Morgen trinke und den dann auch noch recht schnell brauche da ich nicht viel Zeit am morgen habe- bzw. lieber im Bett liegen bleibe, ist das für mich persönlich zumindestens die beste alternative.
    Hoffentlich kommen bald zu einem erschwinglicheren Preis als momentan komplett abbaubare Kapseln, sodass ich das ganze auch mit reinem Gewissen trinken kann.

  2. Hallo,
    Ich habe zurzeit auch nur eine Espressomaschine. Das ist zwar etwas aufwendiger, aber für Filterkaffee sind meine Ansprüche einfach zu groß. Ein Kaffeevollautomat reizt mich schon sehr (besonders weil die Bohnen dann immer frisch gemahlen werden). Allerdings passt so ein Teil auch nicht mehr wirklich in meine Küche…

  3. Hallo,
    vielen Dank nochmal für den tollen Bericht! Ich werde mir die Kamira nun bestellen und freue mich schon auf die Maschine und den Espresso daraus. Weiter so!
    VG Sven

  4. Meine Kapselmaschine nutze ich aus genau diesen Gründen auch nicht mehr. Zum einen wird die Tasse Kaffee sehr teuer und zum anderen entsteht über die Jahre unglaublich viel Plastikmüll. Und dass die Kapseln, die perforiert werden, Alu enthalten und dieses somit leicht in den Kaffee gelangen kann, sollte man auch nicht vergessen. Handgebrühten Kaffee gibt es bei mir übrigens auch immer öfter, besonders wenn ich Freunde einlade. Die ganze Zeremonie ist einfach sehr gemütlich und im Gegensatz zu der Zubereitung mit der Kaffeemaschine was ganz Spezielles.

  5. Ich habe mir ebenfalls eine Kamira zugelegt (Kaffeeautomaten und Kapselmaschinen kommen mir aus Prinzip nicht mehr ins Haus).
    Sie ist einfach zu bedienen und der Espresso ist schneller durchgelaufen als bei anderen Kaffeekochern für die Herdplatte (dafür ja aber auch nur 1-2 Tassen). Er hat eine feine Crema und taugt ganz gut, d.h. mir schmeckt er besser als die meisten Esppressi in Restaurants. Man sollte aber keine Kaffeewunder erwarten.
    Die Maschine kann ich mit einer Ausnahme empfehlen: Ist der Druck zu hoch bzw. das Wasser zu sehr erhitzt, spritzt der Ausguss erheblich !!! Hier könnte der Entwickler nachbessern.

  6. Ich hab sie jetzt knapp ein Jahr und bin immer noch hoch zufrieden. Manchmal hat sie zickige Tage und es wird nicht wie erhofft. Meistens aber liefert sie einen herrlichen Schaum und einen wie ich finde sehr sehr leckeren Espresso, der es vom Geschmack mit denen aus teureren Maschinen locker aufnehmen kann.

  7. Also ich bin ein Espressokocher Fan, muss aber aus Edelstahl sein. Aluminium kommt mir nicht ins Haus, da es sehr schädlich ist. Die Geräte kosten auch nicht soviel. VG Karsten

  8. Hab mir eben die Kamira beim Hersteller gekauft. Das war der beste Expresso, den ich je getrunken habe. Nur schade, dass von dem Schaum in der Tasse noch was zurückblieb, denn dieser Schaum ist einmalig!

  9. Du wirst viel Freude daran haben. Meine läuft jetzt zwei Jahre ohne zu murren und serviert mir nahezu jeden Tag einen fürstlichen Espresso.

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